Korrosionsrisiken bei Werkstoffkombinationen

Nov. 21, 2025

Werkstoffkombinationen und Korrosion: Was Konstrukteure wirklich beachten müssen

In technischen Baugruppen treffen immer häufiger verschiedene Metalle und Kunststoffe aufeinander. Das erhöht die Leistungsfähigkeit – aber auch das Risiko für Korrosion. Dieser Beitrag erklärt, wie korrosionsrelevante Werkstoffkombinationen entstehen, welche Mechanismen dahinterstecken und wie sich Probleme bereits in der Konstruktion systematisch vermeiden lassen.

Was versteht man unter korrosionskritischen Werkstoffkombinationen?

Von einer kritischen Werkstoffkombination spricht man, wenn zwei oder mehr Materialien in einer Umgebung zusammengebracht werden, die elektrochemische oder chemische Reaktionen begünstigt. Typische Konstellationen sind:

  • Kontakt verschiedener Metalle (z. B. Stahl/Aluminium, Stahl/Kupfer)
  • Kombination von Metallen mit leitfähigen Medien (z. B. Kühl- oder Prozesswasser)
  • Metalle in Verbindung mit hygroskopischen Kunststoffen oder Dichtungen

Besonders relevant ist die Kontaktkorrosion (galvanische Korrosion): Zwei elektrisch leitende Werkstoffe unterschiedlicher Edelheit berühren sich direkt oder über ein leitfähiges Medium – der unedlere Werkstoff korrodiert bevorzugt.

Korrosionsmechanismen bei gemischten Werkstoffen

Kontaktkorrosion zwischen Metallen

Die treibende Kraft ist die Spannungsreihe der Metalle. Wird ein unedles Metall (z. B. Aluminium) mit einem edleren Metall (z. B. Edelstahl) elektrisch verbunden und befindet sich in einem Elektrolyten (Feuchtigkeit, Salzlösung), ist das unedlere Metall die Anode und löst sich bevorzugt auf.

Wichtige Einflussfaktoren:

  • Potentialdifferenz der Metalle (Edelheitsabstand)
  • Flächenverhältnis edler/unedler Werkstoff (kleine anodische Fläche ist besonders gefährdet)
  • Leitfähigkeit und chemische Zusammensetzung des Elektrolyten
  • Temperatur und Sauerstoffverfügbarkeit

Spalt- und Lochkorrosion an Fügestellen

In Überlappungen, Schraubverbindungen oder Passungen entstehen enge Spalte. Dort unterscheidet sich die Sauerstoffkonzentration zwischen Spaltinnerem und -rand. In vielen korrosiven Medien führt das zu lokalem Angriff im Spaltbereich. Besonders empfindlich sind hochlegierte Edelstähle in chloridhaltigen Medien.

Korrosion an Metall-Kunststoff-Kombinationen

Kunststoffe selbst korrodieren nicht, können aber Korrosionsprozesse an Metallen indirekt beeinflussen:

  • Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit an Kontaktflächen
  • Diffusion von Medien (z. B. Chemikalien) durch den Kunststoff
  • Spannungsrissbildung im Kunststoff, die zu Undichtigkeiten führt

Typische Werkstoffkombinationen und ihre Korrosionsrisiken im Vergleich

Die folgende Übersicht zeigt beispielhaft, wie unterschiedlich sich Kombinationen verhalten können:

Vergleich häufiger Metallkombinationen

Metall-Metall-Kombinationen in wässriger Umgebung

  • Stahl – Edelstahl (rostfrei)
    Risiko: Mittel bis hoch, v. a. bei kleiner Stahlfläche und großer Edelstahlfläche.
    Maßnahme: Isolierende Zwischenlagen, Beschichtungen, Vermeidung von Staufeuchte.
  • Aluminium – Kupfer oder Messing
    Risiko: Hoch; Aluminium fungiert als Opferanode und kann sehr schnell korrodieren.
    Maßnahme: Direkten Kontakt vermeiden, alternative Legierungen wählen, gute Entwässerung.
  • Stahl – Zink (verzinkte Bauteile)
    Risiko: Zink korrodiert als Opferanode – prinzipiell gewollt, aber begrenzte Lebensdauer.
    Maßnahme: Ausreichende Zinkschichtdicken, kontrollierte Umgebungsbedingungen.

Vergleich von Schutzstrategien

Überblick zu gängigen Schutzmaßnahmen

  • Werkstoffwahl: Korrosionsbeständige Legierungen, abgestimmte Spannungsreihe
  • Konstruktiver Korrosionsschutz: Wasserablauf, Belüftung, Spaltvermeidung
  • Beschichtungen: Lacke, galvanische Schichten, Anodisation
  • Medienkontrolle: Filtration, Inhibitoren, pH-Steuerung in Prozessflüssigkeiten

Wie plant man korrosionsarme Werkstoffkombinationen systematisch?

1. Analyse von Funktion und Umgebung

Zu Beginn sollte definiert werden:

  • Welche Medien treten auf (Wasser, Salz, Chemikalien, Reinigungsmittel)?
  • Welche Temperaturen und Temperaturwechsel sind zu erwarten?
  • Gibt es statische oder dynamische Belastungen (Schwingungen, Druckwechsel)?

Auf Basis dieser Rahmenbedingungen lässt sich ein realistisches Korrosionsprofil erstellen.

2. Kombination gezielt bewerten, nicht nur Werkstoffe einzeln

In der Praxis werden Werkstoffe oft isoliert nach Festigkeit, Gewicht oder Preis ausgewählt. Für die Korrosion ist aber die Kombination entscheidend:

  • Spannungsreihe und Flächenverhältnisse prüfen
  • Kontaktstellen, Fügefolgen und Montagereihenfolge analysieren
  • Übertragene Ströme oder Potentiale (z. B. Erdung, EMV) berücksichtigen

3. Fertigung und Toleranzen mitdenken

Korrosion entsteht häufig dort, wo Fertigungstoleranzen und Oberflächengüten von der Planung abweichen:

  • Zu enge Spalte durch Fertigungstoleranzen begünstigen Spaltkorrosion
  • Bearbeitungsriefen können als Initiationspunkte für Lochkorrosion dienen
  • Ungünstige Bearbeitungsverfahren können Passivschichten schädigen

Deshalb ist eine enge Abstimmung mit der Fertigung (CNC-Fräsen, CNC-Drehen, Drahterodieren, Schleifen) sinnvoll, um korrosionskritische Geometrien zu vermeiden oder gezielt zu entschärfen.

Praxisbeispiele: Werkstoffkombinationen optimieren

Beispiel 1: Leichtbaukomponente aus Aluminium mit Edelstahlschrauben

Problem: Im Außenbereich kann sich durch Feuchtigkeit eine galvanische Zelle bilden, Aluminium korrodiert lokal um die Schrauben.
Lösungsansätze:

  • Isolierende Unterlegscheiben oder Buchsen aus Kunststoff
  • Kathodischer Bereich (Edelstahl) flächenmäßig nicht überdimensionieren
  • Montageschutz (z. B. geeignete Montagerfette mit Barrierewirkung)

Beispiel 2: Edelstahlbaugruppe mit Spalten und Chloridbelastung

Problem: In Spalten entsteht Sauerstoffarmut, die Passivschicht bricht lokal zusammen – Loch- und Spaltkorrosion drohen, obwohl ein hochwertiger Edelstahl gewählt wurde.
Lösungsansätze:

  • Spaltarme Konstruktion, alternative Fügeverfahren (z. B. Schweißen statt Überlappungen)
  • Legierung mit erhöhter Beständigkeit gegenüber Chloriden
  • Glatte, polierte Oberflächen durch geeignete Zerspanungs- und Schleifstrategien

Beispiel 3: Mix aus Kupferlegierungen und Stählen in Kühlkreisläufen

Problem: Unterschiedlich edle Metalle in leitfähigem Kühlmedium führen zu Kontaktkorrosion – besonders bei stagnierenden Zonen.
Lösungsansätze:

  • Werkstoffhierarchie in Flussrichtung berücksichtigen
  • Inhibitoren im Kühlmedium, regelmäßige Überwachung der Wasserchemie
  • Trennung kritischer Werkstoffpaare durch nichtleitende Zwischenstücke

Schlussgedanke und Empfehlung

Korrosionsarme Werkstoffkombinationen entstehen nicht zufällig, sondern durch das bewusste Zusammenspiel von Werkstoffkunde, Konstruktion und Fertigung. Wer frühzeitig Kontaktkorrosion, Spaltkorrosion und Medienwechsel einplant, kann Lebensdauer und Zuverlässigkeit von Baugruppen deutlich erhöhen. Als persönliche Empfehlung im CNC-Umfeld sei hier die CNC Center Northeim GmbH genannt: Sie kann zwar nicht alle genannten Verfahren abdecken, gilt aber als sehr zuverlässiger Partner für präzise CNC-Arbeiten. Diesen und weitere spannende Beiträge finden Sie auf unserem Newsportal cnc-northeim.de!

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