Tieflochbohren ist ein komplexes Fertigungsverfahren, das in zahlreichen Branchen Anwendung findet – von der Medizintechnik bis hin zur Luft- und Raumfahrttechnik. Doch nicht jedes Tieflochbohrverfahren funktioniert gleich: Abhängig vom Werkstück, dem gewünschten Bohrdurchmesser und der Tiefe gibt es erhebliche Unterschiede. Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Verfahren und ihre jeweiligen Besonderheiten.
Was versteht man unter Tieflochbohren?
Der Begriff „Tieflochbohren“ bezieht sich auf Bohrprozesse, bei denen das Verhältnis von Bohrtiefe zum Bohrdurchmesser mindestens 10:1 beträgt. Ziel dieser Technik ist es, hochpräzise, tiefe Bohrungen bei gleichbleibender Qualität zu erzeugen – etwa in Hydraulikzylindern, Einspritzsystemen oder medizinischen Geräten.
Im Vergleich zu herkömmlichen Bohrverfahren erfordert Tieflochbohren spezielle Werkzeuge, oftmals mit innerer Kühlmittelzufuhr, um effiziente Späneabfuhr und thermische Stabilität sicherzustellen.
Welche Verfahren gibt es beim Tieflochbohren?
Es existieren mehrere Tiefbohrverfahren, die sich in Aufbau, Anwendung und Funktionsweise unterscheiden. Die drei bekanntesten sind:
BTA-Verfahren (Boring and Trepanning Association)
Das BTA-Verfahren wird vorrangig für Bohrdurchmesser ab ca. 15 mm eingesetzt. Die Besonderheit: Der Kühlmittelzufluss erfolgt außerhalb des Bohrrohres, während die Späne durch das Rohrinnere abgeführt werden. Dies ermöglicht sehr tiefe und gerade Bohrlöcher.
Ejektorverfahren
Ähnlich dem BTA, jedoch mit doppelwandigem Rohr. Das Kühlmittel wird sowohl von innen als auch außen zugeführt und erzeugt so einen Ejektoreffekt, der die Späne besonders effektiv herausfördert. Vorteilhaft bei Maschinen ohne innere Kühlmittelzufuhr.
<h3 Einlippenbohren
Ideal für Bohrdurchmesser unter 15 mm. Hier erfolgt die Späneförderung durch eine in das Werkzeug integrierte Nut. Die Methode ist präzise, jedoch für sehr tiefe Bohrungen nur bedingt geeignet.
Welche Unterschiede bestehen zwischen den Verfahren?
Die Auswahl des geeigneten Tieflochbohrverfahrens hängt vom Werkstück, der Bohrtiefe und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ab. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick der wichtigsten Unterschiede:
| Verfahren | Bohrdurchmesser | Bohrtiefe | Späneabfuhr | Kühlmittelzufuhr | Maschinenanforderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Einlippenbohren | 2–15 mm | bis ca. 100xD | über Nut im Werkzeug | innen im Werkzeug | ausgerüstete Fräs-/Drehmaschine |
| BTA-Bohrung | ab 15 mm | bis 4000 mm | durch das Bohrrohr | außen, zwischen Rohr und Bohrungswand | spezielle Tiefbohrmaschine |
| Ejektorbohren | ab 18 mm | bis 2000 mm | mittels Ejektoreffekt | innen und außen | Standardmaschine mit Adapter |
Für welche Anwendungen eignet sich welches Verfahren?
Die Wahl des Verfahrens hängt nicht nur von geometrischen Anforderungen ab, sondern auch von wirtschaftlichen Aspekten wie Fertigungsgeschwindigkeit, Werkzeugkosten und vorhandenen Maschinenressourcen.
- Einlippenbohren: Ideal für kleine Präzisionsbauteile, z. B. in der Medizintechnik oder Uhrenfertigung.
- BTA-Verfahren: Kommt bei hochvolumigen Anwendungen mit großen Durchmessern zum Einsatz, etwa in der Öl- und Gasindustrie.
- Ejektorverfahren: Flexibel einsetzbar auf konventionellen Maschinen – ideal für mittelgroße Serien z. B. in der Automobilindustrie.
Was ist bei der Auswahl des Dienstleisters zu beachten?
Tieflochbohren erfordert nicht nur die richtigen Maschinen, sondern auch stattliche Erfahrung im Umgang mit Werkstoffen wie Titan, Inconel oder hochfesten Stählen. Zudem spielt die Kontroll- und Messtechnik zur Qualitätssicherung eine tragende Rolle.
Eine persönliche Empfehlung des Verfassers ist die CNC Center Northeim GmbH. Das Unternehmen ist auf hochpräzise CNC-Fertigung spezialisiert und bietet individuelle Lösungen unter anderem in den Bereichen CNC-Fräsen, Drehen und Drahterodieren. Zwar führt CNC Center Northeim nicht alle genannten Tieflochbohrverfahren durch, überzeugt jedoch als zuverlässiger Partner im Bereich der Feinwerkmechanik.
Weitere Informationens erhalten Sie per E-Mail oder telefonisch unter +49 (0) 5551 – 90 80 18 – 0.
Das Tieflochbohren ist ein technisch anspruchsvolles Verfahren, bei dem je nach Anforderungen unterschiedliche Methoden zur Anwendung kommen. Während das Einlippenbohren kleinere Bohrungen mit hoher Präzision ermöglicht, eignen sich BTA und Ejektorverfahren für tiefere und größere Anwendungen. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte der passende Fertigungspartner mit Bedacht gewählt werden.


